Die Apostroph-Gruselgalerie

Das Kapostropheum

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Willkommen im Kapostropheum!

Der Apostroph, ein geschundenes Wesen. Was muß dieses kleine Satzzeichen alles mitmachen. Sich an Stellen abschuften, an denen es gar nicht gebraucht wird. Auch kommt es vor, daß, wenn es denn mal benötigt würde, seine Notwendigkeit einfach übergangen wird.

Doch genug der einleitenden Worte. Für die ganz Eiligen geht’s hier gleich in medias res:

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Wer noch ein paar einleitende Worte mehr genießen will, auch dafür ist gesorgt:

Die aktuelle Durchsage

Der Spiegel erweckte in einem Artikel in Ausgabe 45/2002 den Eindruck, ich betriebe neben dem Kapostropheum noch eine Sammlung fälschlich auseinander geschriebener Komposita. Das war zu dem Zeitpunkt nicht richtig. Nun, wie auch immer – ich habe jetzt eine solche aus dem Boden gestampft: Die Agopunktions-Galerie. Noch in den Kinderschuhen, aber ich rechne mit reichlich Nachschub aus der Hippe-Schreibweisen-Werbetexter-Ecke. So, das wäre das.

Aber nun zur Sache.

Was soll das eigentlich?

In Kürzestform: Ich trompete hier nicht in erster Linie gegen Verflachung der Sprache an sich, sondern gegen den Umstand, den ich zu beobachten glaube, daß Trends, Meinungen, Erscheinungen etc. in zunehmendem Maße ohne Hinterfragung oder auch nur ein kleines bißchen Reflexion nachgeplappert und weitergetragen werden. Der übermäßige Mißbrauch des Apostrophs ist insofern nur eine Ausprägung des Dranges, durch eine übertriebene Anwendung englischer Sprachaspekte einen Eindruck von Weltläufigkeit erzielen zu wollen – und sei es für Klopapier in einem Drogeriediscount.

Die Kritik erfolgt also nicht an der Veränderung der (Schrift-)Sprache an sich, sondern an den Motiven, oder vielmehr Nichtmotiven der Ebene darunter. Daß ich als gut greif- und kommentierbares Symptom dieser Strömung die zunehmende Verbreitung von Kapostrophen gewählt habe, ist also nicht primär eine Kritik an Sprachveränderung, -verwässerung oder -verenglischung. Es eignet sich nun mal prima dafür, erstens gesammelt und zweitens aufgespießt zu werden, denn falls es jemand noch nicht gemerkt haben sollte – das hier ist schließlich eine Satiresite!

Ein denkbarer Vorwurf ist außerdem, derlei Aktionen oder Aktivitäten seien kleinlich und hackten in unangemessener Weise auf den individuellen Verursachern bzw. Anwendern falscher Apostrophe herum und diffamierten diese. Dem möchte ich folgendermaßen entgegentreten. Erstens: Wenn man die Sammlung mal durchgeht, wird man feststellen, daß nirgendwo ein individueller Verursacher was abkriegt, also zählt das schon mal nicht; es wurde eine konsequente Anonymisierung hinsichtlich Autokennzeichen, Telephonnummern, WWW- und e-Mail-Adressen vorgenommen. Falls sich also zweitens doch jemand persönlich auf den Schlips getreten fühlt, mag er/sie davon ausgehen, nicht persönlich gemeint gewesen zu sein. Drittens gestehe ich mir eine gewisse Kompetenz in Sachen Zynismus und Sarkasmus sowie deren Ausübung zu, und das macht halt Spaß. Und viertens ist das hier nicht das internationale Zentrum für politische Korrektheit. Beim Hobeln fallen Späne.

Wer sich für eine ausführliche Darlegung der Grundlagen des Projekts interessiert, dem sei der „Motivations-Essay“ ans Herz gelegt. Hierzu bitte die Galerie betreten und in der Navigation oben den Punkt „Was soll das ganze?“ auswählen. Oder gleich hier anklicken.

Ein weiterer, ebenfalls dort erwähnter Punkt ist, daß es eigentlich immer scheiße aussieht …

Und im Spiegel (Ausgabe 45/2002, Seite 192, siehe Pressespiegel) als Erfinder des Worts Agovis geführt zu werden, ist auch nicht das schlechteste, was einem passieren kann. An dieser Stelle nehme ich auch Titelschutz in Anspruch für Agostroph, Agopunktion, Polypunktion und Polyvis; siehe Abteilung Mehr wäre mehr der Galerie. :-)

Aber das ist doch inzwischen alles erlaubt?!

Das ist so eine Sache. Dieser Umstand ist letztlich nur die amtliche Kulmination des Effektes, den ich im erwähnten Motivations-Essay als den zentralen, tieferliegenden Kritikpunkt genauer umreiße. (Mit der Neuen Rechtschreibung hat das im übrigen wenig zu tun, die hat ihre Vor- und Nachteile (und die Tatsache, daß das so ist, nämlich der Ersatz einer inkonsistenten Sammlung durch eine andere, läßt sie mich unerfreulich finden).)

Und wenn nun ein Institut, eine Publikation oder ein Verlag hingeht und eine Bestandsaufnahme dessen durchführt, was sich alles eingeschliffen hat, selbst wenn es aus Schlampigkeit war, und das einfach als Stand der Dinge „offizialisiert“, dann ändert das eben nichts an der Motivation und damit am Fundament dieser ganzen Angelegenheit hier.

Auch hierzu gibt es mittlerweile einen ausführlichen Kommentar.

Was bedeutet das also?

Wie aus diesen beiden Aspekten der einleitenden Worte nun unmittelbar einsichtig folgt, bin ich also auch kein „Kämpfer gegen die Verhunzung der deutschen Sprache“ oder so etwas. Das liegt mir recht fern, und vor einen solchen Karren möchte ich mich ungern gespannt wissen, allein schon, weil diese Schlagzeile (denn das ist es eher als eine Überschrift oder ein Motto) viel zu allgemein ist, als daß ich mir sie so pauschal zu eigen machen wollen würde. Nein, wenn schon Schlagwort, dann eher „Kämpfer gegen die Unsitte des schludrigen, unreflektierten Nachplapperns, gegen die nicht hinterfragte Übernahme und trotzdem Propagierung womöglich fragwürdiger Veränderungen“.

Nicht eingängig genug? Tja, Pech.

Gibt’s nichts wichtigeres?

Natürlich. Und?

Eines der dümmsten „Argumente“, das es überhaupt gibt, und in der Regel dann zu beobachten, wenn dem Gegenüber aber auch gar nichts Konstruktives einfällt. Erstens bedeutet es, wenn man sich mit etwas vermeintlich „weniger wichtigem“ abgibt, keinesfalls, daß vermeintlich „wichtigeres“ einem deswegen egal wäre. Zweitens ist es nicht auszuschließen, daß das vermeintlich „weniger wichtige“ als Grundlage für etwas im Vergleich dazu wichtigeres fungiert und Aspekte sich fortpflanzen. Und drittens, wer zieht denn bitteschön die Grenze zwischen wichtig und unwichtig, hm? An dieser Stelle verstummt das Gegenüber in der Regel in schamvoller Stille.